Gib mir all Dein Geld! - Kommentare deaktiviert
Gestern abend auf RTL bei “Extra” gesehen, heute schon auch bei mir im Angebot: ich nehme das Geld fremder Leute an, gern auch ohne jegliche Gegenleistung. Kurz zur Erklärung: sogenannte “Geldherrinnen” oder “Gelddominas” werden von Männern dafür bezahlt, dass sie – genau – nix tun, beziehungsweise einfach nur deutlich machen, dass sie nicht dankbar dafür sind und eigentlich noch viel mehr verdienen.
Meine Frau will leider nicht mitmachen bei sowas, aber da ohnehin immer nur von Frauen die Rede war, die sowas anbieten, scheint es da ja noch eine Marktlücke zu geben: ein Angebot für Frauen mit zuviel Geld, die auch gern mal einem undankbaren Mann etwas schenken möchten und dafür im Gegenzug gedemütigt werden. Diese Marktlücke lässt sich schließen – also:
Liebe Unwürdige Frauen Deutschlands,
Ihr wisst, dass Ihr nichts wert seid und dass Ihr es nicht verdient, Geld zu haben? Kein Problem, ich weiss, dass ich viel wert bin und biete Euch an, ab sofort Geldbeträge in beliebiger Höhe auf meinem Paypal-Konto hrabbach@fablemail.com entgegen zu nehmen. Eine Gegenleistung habt Ihr nicht verdient, also bekommt ihr auch keine. Aber vielleicht sage ich Euch wenigstens, wie wenig ich von Eurem Geschenk halte. Na, ist das ein Angebot? Dann nix wie her mit der Kohle. Und denkt dran, wenn Ihr mir Geld schickt, weiss ich, wer Ihr seid…
Euer Herr und Gebieter,
Gelddominus Holger
Ja, ich gebe es zu – ich bin Kunde bei amazon.de. Und das sogar sehr gern, denn es wird immer schnell und zuverlässig geliefert, gibt fast alles (nicht nur Bücher und CDs) und meistens findet man auch, was man sucht. Das aber nur vorweg…
Vor ein paar Tagen habe ich allerdings mit Erstaunen festgestellt, was Amazon mir so alles empfiehlt. Früher waren die Empfehlungen mal ganz nützlich, zum Beispiel was für CDs mir noch gefallen könnten. Das hat sich schon länger etwas negativ für mich entwickelt, was aber mehr an mir liegt als an Amazon – ich hätte die Klassik-CDs für meine Mutter ja auch anderswo bestellen können. Aber jetzt, wenn ich mir die allgemeinen Empfehlungen so ansehe, kommen mir gaaaaanz leichte Zweifel am Sinn des Systems. Ich habe nämlich vor einiger Zeit ein Telefon über Amazon gekauft. Und ein Netzwerkkabel. Daraus hat die Software geschlossen, dass ich offensichtlich gern telefoniere – und empfiehlt mir jetzt ständig neue Telefone. Liebe Amazonier – ich telefoniere gar nicht sooo gern… und wenn, dann komme ich üblicherweise mit *einem* Telefon aus. Es ist auch erst ein paar Wochen alt – so schlecht ist die Qualität von Gigaset nicht, dass ich schon wieder ein neues kaufen müsste. Ich brauchte auch nur ein einziges Netzwerkkabel. Auch wenn das für Eure Software zu bedeuten scheint, dass ich unter die Netzwerkinstallateure gegangen bin – ich brauche zu meinem 2m Kabel nicht auch noch ein 5, 10, 30 oder 50m Kabel und auch keine 15 Switches, Hubs, Wireless-Adapter (hmm, wozu bräuchte ich dann noch Kabel…?), Steckverbinder etc…
Achja, richtig interessant wird es dann bei den seltsamen Querverbindungen. Da tauchte plötzlich bei den CD Empfehlungen eine CD von AC/DC auf. Nicht unbedingt meine Lieblingsband und auch nicht so ganz der Stil, den ich üblicherweise höre. Unter “warum wurde mir das empfohlen” durfte ich lernen, dass ich *Turnschuhe* einer bestimmten Marke gekauft hatte… und wer die trägt, hört halt auch AC/DC. Wie sich das mit meiner bisherigen Präferenz für christliche Pop- und Rockmusik verträgt, ist mir ein Rätsel, aber Amazon wird’s schon wissen.
Ich überlege jetzt schon, was ich mal bestellen könnte, nur um ne interessante Empfehlung zu bekommen. Vielleicht gibt’s ja Kondome, zu denen einem gleich ein Schwangerschaftstest empfohlen wird – und das Buch “Alleinerziehend. Männlich. Gut.”. Oder zu nem Wandspiegel das Buch “Ich finde mich so toll – warum bin ich noch allein?”
Braut und… - Kommentare deaktiviert
naja, den Bräutigam darf ich nicht in den Titel schreiben, denn wenn ich eins in den letzten Wochen gelernt habe, dann ist es, dass der Bräutigam bei einer Hochzeit nur als Kulisse dient. Meine Verlobte sieht das zwar anders (behauptet sie jedenfalls beständig), aber wenn man sich die diversen Hochglanzmagazine zum Thema Hochzeit mal ansieht, bleibt einem nichts anderes übrig, als den Eindruck zu gewinnen, dass der Bräutigam eigentlich keine Rolle spielt.
Das fängt an bei den Titeln der Magazine:
Braut
und Bräutigam
ist da eines meiner liebsten. Da weiss man als Mann gleich, was die eigene Rolle ist. Immerhin 10% des Inhalts werden einem aber dann doch zugestanden.
Wobei, so kann man sich auch bequem zurücklehnen und sich freuen, dass man weniger Stress mit der ganzen Sache hat. So eine Braut hat es schon schwer –
während der Mann grob zwischen 5 verschiedenen Anzugmodellen zu wählen hat, betrachtet Frau ca. 2500 Kleider und findet nicht eins, das allen Vorstellungen entspricht. Dafür stößt man aber auf diverse Modelle aus der Rubrik “was hat sich der Designer dabei gedacht” – letzte Woche sah ich eins, das aussah, als wäre eine Handgranate unter einer Spitzengardine explodiert. Oder mein absoluter Favorit: die Erklärung dafür, wozu Brustwarzenpiercings gut sein sollen – man kann das Hochzeitskleid dran festmachen. Und das ist ja auch schonmal was.
Ringe gibt es übrigens auch in erstaunlichen Varianten. Neben wirklich schönen und schlichten Ringen gibt es ganze Kollektionen, die so aussehen, als wären sie dem Gas-/Wasser-/Scheiße-Installateur aus der Materialkiste gefallen. Modell Heizungsrohrverbinder sozusagen. Nur aus etwas hochwertigeren Materialien. Ich würde unter permanenten Verlustängsten leiden, wenn ich 2000 Euro am Finger hängen hätte, aber wer’s braucht…
Naja… wie dem auch sein, ich freu mich trotzdem noch auf die Hochzeit. Denn erstens machen wir der ganzen Industrie mit unserer Do-It-Yourself Mentalität sehr wenig Freude (und sparen nebenbei tausende Euros, die wir eh nicht hätten) und zweitens ist die Braut für mich genauso groß wie auf dem Magazintitel – aber ich bin für sie nicht so klein
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Liebe Banken - Kommentare deaktiviert
Ich fühle mich furchtbar. Kürzlich entnahm ich der Berichterstattung in der Presse, dass ein Grund für die derzeitige Finanzkrise das Fehlen liquider Mittel für die Kreditvergabe ist. Wie konnte ich nur so nachlässig sein. Jede Woche schickt Ihr mir Briefe ins Haus, in denen Ihr mir mitteilt, dass 5.000 oder auch mal 10.000 Euro bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (momentan gern der 31.12.) für mich reserviert sind. Aber ich habe es nie für nötig gehalten, Euch mitzuteilen, dass ich das Geld nicht brauche. Deswegen haltet Ihr gerade geschätzte 100.000 Euro für mich bereit, die andere, bedürftigere Kunden (sagen wir mal Chrysler oder GM) dringend brauchen würden.
Liebe Banken, ich muss Euch und auch die armen, wartenden Kunden in aller Form um Verzeihung bitten und möchte Euch mit diesem offenen Brief gleichzeitig mitteilen, dass ich weder jetzt noch zukünftig auf die von Euch für mich reservierten Gelder angewiesen bin. Bitte entlasst mich daher aus meiner Mitverantwortung für diese große Krise und reserviert keine weiteren Gelder mehr für mich. Eure Großzügigkeit überwältigt mich (ich bin sicher, den Zinssatz von 4,9% bekomme ich auch jederzeit – wenn ich 10.000 Euro in Bar als Sicherheit vorweisen kann), aber Ihr müsst auch mal an Euch denken. Die Vorstandsgehälter zahlen sich ja auch nicht von allein.
Liebe Grüße,
Euer Holger
Darf ich bitte auswandern? - Kommentare deaktiviert
In den letzten Tagen habe ich wirklich ernsthaft drüber nachgedacht, auszuwandern. Oder meinen Fernseher abzuschaffen. Oder zumindest mal bei den Verantwortlichen der deutschen Werbebranche anständig Amok zu laufen. Denn auch wenn es schon seit einigen Jahren immer mal wieder wehtut, die Werbung im deutschen Fernsehen anzusehen, im Moment ist es ganz besonders schlimm.
Ich meine, was um alles in der Welt motiviert einen Werbetexter zu so einem Satz: “Die größte technologische Innovation, auf die ein Urinstrahl jemals getroffen ist” ???? Und wieso um Himmels Willen verhindert sowas dann nicht wenigstens der Auftraggeber selbst? Aber das ist ja auch irgendwie nur die Spitze des Eisbergs – deutsche Werbung ist einfach weder witzig, noch kreativ. Nicht mal gewollt witzig. Nicht mal ansatzweise witzig. Deutsches Werbefernsehen als humorfreie Zone. Es sei denn, das Lachen über die “Deutschländer Würstchen” Werbung bleibt einem ausnahmsweise nicht im Hals stecken. Jaja, die beliebtesten Würstchen Deutschlands – “knackig wie Wiener”. Warum nicht auch “würzig wie Krakauer”? Heim ins Reich, sag ich da nur.
Aber selbst sowas hilft einem dann nicht mehr über den “Schnäppchenjägerhund” von Burger King hinweg – eine Werbung, bei der man sich fragt, ob die nur schlecht übersetzt ist oder extra nur für die deutschen Marktbedürfnisse besonders schlecht produziert wurde. Eigentlich nur noch zu toppen von…. Trommelwirbel… “hitflip.de”. Wer den Spot mal gesehen hat, weiß: Werbung machen kann jeder Idiot. Und vielleicht ist das auch das Geheimnis – wahrscheinlich ist die Werbung in Deutschland so schlecht, damit sich der Verbraucher überlegen fühlt und das Produkt sozusagen aus Mitgefühl kauft. Auch ne Methode…
