Eine Frage der Ehre - Kommentare deaktiviert
Eigentlich dachte ich ja, das Thema wäre längst gegessen und würde sich nicht mehr für einen Blogeintrag eignen… so kann man sich täuschen. Kaum hatte Gerhard Schröder den Ausichtsratsvorsitz im deutsch-russischen Gaspipelinekonsortium angetreten, da geisterte es wieder durch die Medienlandschaft, dieses Wort: Ehrenkodex.
Was genau dürfen wir darunter verstehen? So wie es sich für mich darstellt, wissen Politiker offenbar nicht instinktiv, was ehrenhaft ist und was nicht – deswegen brauchen sie Hilfe. Jemand muss es für sie herausfinden und aufschreiben, damit sie im Zweifel mal schnell nachschauen können, ob es wirklich in Ordnung ist, wenn man als Kanzler noch schnell mit politischem Druck dafür sorgt, dass man nach der Wahl noch einen gutbezahlten Job hat.
Dass das offenbar dringend nötig ist, zeigen Schröders Reaktionen. Der arme Mann hat bis heute nicht begriffen, warum sich alle so aufregen. Irgendwie ja auch verständlich – was gut für Deutschland ist, bestimmt er, das war schon zu seiner Regierungszeit so. Und so sieht er sich auch heute noch als “Dienstleister für Deutschland”, wenn er ganz uneigennützig seine kostbare Zeit opfert, um im Aufsichtsrat des Konsortiums die Interessen Deutschlands zu vertreten. “Moment”, sagen sie da zu Recht, “ist der nicht da, um die Interessen der Firma Gasprom zu vertreten?”. Da sehen sie mal, wie naiv sie sind… das wäre ja unehrenhaft, das würde der Schröder doch nie machen. Sie durchschauen nur einfach nicht die komplizierte Ehrenhaftigkeit des Herrn Schröder. Und für die 250.000 Euro im Jahr arbeitet er ja auch hart… hat er selbst gesagt, die nächste Sitzung ist ja immerhin schon im Juni…
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And the winner is… - Kommentare deaktiviert
Jetzt ist sie also vorbei, die aktuelle Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” – und gewonnen hat… ja, wie heisst er nochmal? Es ist kaum zu glauben, aber ich kann mir seinen Namen einfach nicht merken. Und irgendwie hab ich das dumme Gefühl, dass sich in zwei Monaten auch sonst keiner mehr dran erinnern wird, wenn nicht die berüchtigte “xy – Superstar”-Einblendung in den Fernsehbildern (natürlich nur auf RTL) dafür sorgt, dass wir uns erinnern, was seine neue offizielle Berufsbezeichnung ist.
In gewisser Hinsicht bin ich ja froh, dass er gewonnen hat und nicht der gute Mike Leon… diese Mischung aus Panamas Ex-Diktator Manuel “Pineappleface” Noriega und meinem ehemaligen argentinischen Mitbewohner (“Ich bin nicht eitel, ich seh nur gern mein Bild im Spiegel”) hat mich irgendwie immer abgeschreckt. Obwohl man musikalisch bei ihm nicht meckern konnte. Konnte man bei Tobias (ahh, das war der Name) allerdings auch nicht.
Lustig fand ich die Szene im Halbfinale, wo Mike Leon schon weiter war und Tobias dessen Freundin Vanessa (so heisst sie doch, oder? Ich hab’s nicht so mit den Namen) im Arm hatte, als wäre sie *seine* Freundin. Wir haben die Folge mit ein paar Leuten zusammen gesehen und uns vorgestellt, was da wohl gerade an Gedanken durch Mike Leons Kopf gehen… es wäre interessante Untertitel gewesen.
Bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen – im Halbfinale bekam Mike Leon schon mit auf den Weg, dass er wohl nie im Leben wieder Handys verkaufen wird. Mag sein… aber wie wär’s mit Klingeltönen?
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102 Tage Große Koalition - Kommentare deaktiviert
Wenn die SPD schon nach 92 Tagen ihre 100-Tage Bilanz ziehen darf, dann wird es wohl auch erlaubt sein, wenn ich 102 Tage damit warte. Ist ja auch ziemlich mutig mit den 92 Tagen, wer weiß schon, was in den 8 Tagen noch hätte passieren können. Bei Gerhard Schröder ziemlich viel, der hätte nochmal schnell nen Minister verschlissen oder in zwei Interviews vier gegensätzliche Meinungen zum gleichen Thema vertreten. Aber mit der neuen Koalition ist ja in der Hinsicht Ruhe eingekehrt.
Jetzt haben wir dafür Angela Merkel als Kanzlerin – immer noch schwer zu glauben, dass die kleine Angela, die in der 90ern unter Helmut Kohl bei mir immer nur als “die Ministerin ohne Frisur” lief, es tatsächlich geschafft hat, auf dem Chefsessel Platz zu nehmen. Wo doch die SPD die Wahl, wenn man Gerhard Schröder glauben schenken darf, in etwa so gewonnen hat, wie vorgestern die Fußballnationalmannschaft gegen Italien. Ich muss gestehen, Angela Merkel ist mir immer noch ein Rätsel. Irgendwie läuft sie immer so rum, als sei ihr Körper nur geliehen und sie wüsste auch nicht so ganz genau, wie alles funktioniert. Außerdem ist, wie schon mein Lieblingskabarettist Volker Pispers zu sagen pflegt, eine ihrer Hauptqualifikationen immer noch, dass sie damals beim CDU Spendenskandal nichts gewusst hat. Wahrscheinlich hat die CDU das letztendlich selber überrascht, wie populär man in unserem Land auch nach 60 Jahren immer noch damit werden kann, nichts gewusst zu haben.
CDU und SPD haben zusammen viel erreicht, besonders was das Brechen von Wahlversprechen angeht. Die SPD hat sich natürlich in einem Punkt durchsetzen können – die Mehrwertsteuer wird nicht auf 18% erhöht. Das ist ein Wort, da haben sie sich dran gehalten. Ansonsten wird man das Gefühl nicht los, die SPD beschleicht langsam der dumme Verdacht, sie könnte bei der Vergabe der Ministerposten doch nicht so erfolgreich gewesen sein, wie sie selbst gedacht hat. Versteh ich garnicht – Arbeit und Finanzen waren doch seit je her die Erfolgsbringer schlechthin. Da lacht sich sogar Angela Merkel heimlich ins Fäustchen… und die hat ja eigentlich nix gewusst.
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Mittlerweile ist sie ja vorbei, die “Du bist Deutschland” Kampagne. Aber schon wird uns ein Neuauflage angedroht. Ich muss ganz ehrlich sagen, das Motto dieser Kampagne habe ich immer so ein wenig als Drohung empfunden. Wenn ich mich so ansehe… das soll Deutschland sein? Armes Deutschland…
Erst hab ich ja noch gedacht, das wäre alles nicht so ernst gemeint – immerhin muss sich Harald Schmidt ja doch eher mühsam das Lachen verkneifen, als er mit salbungsvoller Stimme irgendwas von einem Schmetterling vor sich hinbrabbelt, der seine Flügel ausbreiten soll… oder so. Aber so langsam breitet sich eine dunkle, bedrohlich wirkenden Ahnung in mir aus, dass die Macher das tatsächlich nicht als Satire gemeint haben könnten. Das macht mir Angst…
Was man heutzutage nicht alles sein muss – erst waren wir nach dem 11. September 2001 plötzlich alle Amerikaner, ein Gedanke, mit dem ich mich bis heute noch etwas schwer tue… und jetzt das. Eigentlich wäre ich ja viel lieber ich selbst, aber das scheint heutzutage nicht so gefragt zu sein. Überhaupt, warum soll ich gleich ein ganzes Land sein? Könnte ich nicht erst mal kleiner anfangen, mit nem Stadtteil vielleicht und mich dann langsam über ein Bundesland hocharbeiten? Das ist mir alles viel zuviel Verantwortung… ich meine, die ganzen ausländischen Besucher empfangen, bei der Fußball-WM antreten, bei Olympia die ganzen Medaillen gewinnen… und manches davon auch noch gleichzeitig. Aber zum Glück ist Deutschland-Sein ja so ne Art öffentlicher Dienst… also, bin ab heute im Streik – Ihr anderen könnt ja weiter Deutschland sein.
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Was haben eigentlich Tokio Hotel, was meine Band nicht hat? Oh, ich weiss es – einen Namen. Einen der nach Internationalität aussieht, nach Weltgewandheit… ganz schön seltsam für eine Schülerband, die deutsche Texte singt. Wahrscheinlich waren alle provinziellen Namen schon vergeben – wer hat nicht die neueste Scheibe von “Novotel Neuss” im Plattenregal stehen?
Provinziell ist überhaupt ein Stichwort. Ich meine, mal ehrlich, was finden eigentlich die ganzen 8 – 12 jährigen Mädels an ein paar Typen, die irgendwie so aussehen, als hätte sich Boy George (kennt den noch einer? War in den 80ern mal recht populär) ein paarmal klonen lassen. Für mich irgendwie so’n bisschen das Aussehen, was sich kleine Mädels in irgendeinem Kuhdorf wohl unter der Mode in der großen Stadt vorstellen. Aber so läuft doch keiner rum. Nicht im Ernst. Es sei denn, er legt’s drauf an, kräftig eins in die Fresse zu kriegen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie unbedingt berühmt werden mussten – jetzt können sie sich endlich die Bodyguards leisten, damit sie so rumlaufen können, wie sie aussehen. Ich bin übrigens noch nicht davon überzeugt, dass das wirklich alles Jungs sind… aber das war ich bei Boy George ja auch nie.
So, ich glaub jetzt überleg ich mir doch mal nen richtig coolen Namen für unsere Band… “Solingen Gräfrath Jugendherberge” ist schon ganz gut, aber irgendwie noch zu lang.
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