Kommen Sie gut rüber… - Kommentare deaktiviert
Ich weiss nicht, wie oft ich das heute hören musste: “Komm gut rüber” oder “Kommen Sie gut rüber”. Man könnte meinen, ich hätte mich entschieden, den Atlantik per Tretboot zu überqueren. Hab ich auch, aber das kann ja keiner wissen und am Ende wird sowieso nix draus. Aber was die Leute wirklich meinen ist, dass übermorgen ein neues Jahr beginnt. Da muss man sich offenbar gut drauf vorbereiten. Da kann was schiefgehen. Wenn man nicht aufpasst, bleibt womöglich ein Bein in alten Jahr zurück. Oder man stolpert in der letzten Sekunde und landet mit dem Kopf nach unten unsanft im nächsten Jahr. “Guten Rutsch” wünscht man ja schließlich nicht umsonst… wäre ja auch blöd, wenn man hängenbliebe. Wobei ich mich frage, ob es irgendwo noch 1998 ist und ganz viele Leute da permanent Silvester feiern, weil sie nicht “rübergekommen” sind. Wäre ja möglich.
Haben Sie eigentlich Vorsätze für’s nächste Jahr gefasst? Ich nicht, denn ich mache das immer am 23. März um 17:41 Uhr. Wieso? Naja, wieso nicht? Ist schliesslich ein genauso schwachsinniger Zeitpunkt wie jeder andere. Ich ändere doch mein Leben nicht, bloß weil im Kalender ein neues Jahr anfängt – ich bitte Sie, da müssen Sie mir schon bessere Gründe nennen. Die meisten fangen das Jahr doch eh damit an, sich zu besaufen und können damit gleich den ersten Vorsatz (nie wieder so viel Alkohol) schon wieder in die Tonne kloppen. Dann doch lieber irgendwann auf dem Sofa sitzen und plötzlich mit dem Finger schnippen und “ab jetzt werde ich immer zu allen nett sein” vornehmen. Aber vielleicht nicht gleich für ein ganzes Jahr, man muss mit kleinen Schritten anfangen und fünf Minuten sind ein guter Zeitraum, vor allem wenn einem in dieser Zeit kein Mensch begegnet. In diesem Sinne werde ich ab jetzt (also, wenn ich den Knopf für’s Absenden gedrückt habe) für mindestens fünf Minuten keinen bösen Kommentar abgeben. Das ist doch schonmal was…
Was hat sich Sat1 da bloß gedacht? Gerade ist Werbepause, deswegen ist es momentan interessanter als während der Sendung “Das weiß doch jedes Kind”, aber ich verzichte auf die Unterhaltung, um meinen Senf dazu zu geben. An sich ja eine ganz nette Idee – lebenserfahrene Erwachsene beantworten Schulfragen der Klassen 1-5 und erhalten dafür Kinder als “Joker” zur Seite gestellt. Das hat Potential – Peinlichkeiten für die Erwachsenen sind quasi garantiert und es könnte auch ganz lustig werden. Könnte…
Aber warum um alles in der Welt wird sowas von der grenzdebilen Cordula Stratmann moderiert, die vor dem Publikum und den Kandidaten steht, als hätte sie noch nie ne Kamera gesehen oder auch nur ein normales Gespräch geführt? Sie mag ja als Schauspielerin ganz brauchbar sein – naja, gut genug für ne recht erfolgreiche und gelegentlich auch lustige Impro-Comedy jedenfalls, obwohl das oft mehr an ihren Mitspielern lag als an ihr selbst. Aber als Showmoderatorin ist sie schlicht und ergreifend ein Totalausfall – jeder noch so kleine Versuch, auch nur einen Hauch von Spannung aufkommen zu lassen, läuft völlig ins Leere und die Versuche, wenigstens witzig zu sein, kann man kaum noch als peinlich bezeichnen, aber ein schlimmeres Wort fällt mir gerade nicht ein.
Und warum zum Henker wird da ständig auf so einen blöden Buzzer gehauen, um iregendwas “einzuloggen”? Begreift der durchschnittliche Sat1 Zuschauer sonst nicht, dass eine Antwort gegeben wurde? Oder kriegen die Techniker das sonst nicht auf die Reihe, dass das Licht die Farbe wechselt? Die Antwort auf diese Fragen… naja, wahrscheinlich weiß die jedes Kind. Ich aber nicht…
Wenn Werbung wehtut – reloaded - Kommentare deaktiviert
Sie ist wieder da, meine Lieblingswerbung von AXA TwinStar. Monatelang hab ich sie vermisst, aber letzte Woche lief sie wieder – in leicht verkürzter Form, aber immer noch genauso dämlich wie vorher. Aber weil das auf die Dauer langweilig wird, hab ich zwei neue Favoriten.
Der erste: O2online. Für mich gibt’s einen ganz entscheidenden Satz in dieser Werbung: “Wenn Sie wissen, wo Ihre Telefondose ist, installiert es sich fast von selbst”. Ja schön… aber wer weiss das denn schon? Das muss einem doch erst mal erklärt werden. Die setzen da schon ziemlich viel voraus, finde ich. Fluggesellschaften machen uns vor, wie es richtig geht. Da wird einem vor jedem Flug erklärt, wie man die Anschnallgurte öffnet und schließt. So ist es richtig. Gut, die Gurte kriegt auch ein zweijähriges Kind auf und zu, aber trotzdem erklären die das immer so schön anschaulich. Ich warte immer noch auf den Tag, an dem die Ansage geändert wird und es heisst: “Wenn Sie nicht wissen, wie man den Gurt öffnet und schliesst, sollten Sie nicht ohne Ihren Pfleger allein unterwegs sein”. Egal, ich schweife ab…
Dann fällt mir da noch die Axe Werbung ein (interessant… Axe, AXA… sieht da jemand einen Zusammenhang?). Da steht dieser durchschnittliche Typ mit der Hühnerbrust am Strand und versucht, sich mit riesigen Menge Deospray zum Fliegen zu bringen. Und dann kommen aus dem Meer hunderte von gutaussehenden Frauen und fallen über ihn her. Zwei mögliche Erklärungen dieses Spots sind meiner Meinung nach möglich. Entweder ist der von dem ganzen Spray dermaßen high, dass er schlicht und einfach halluziniert (dann sollte sich mal jemand von der Drogenberatung mit dem Spot auseinandersetzen) oder, und das scheint mir fast noch plausibler, denn man sieht ja nicht, was passiert nachdem sie über ihn herfallen, die finden dass der nach dem Zeug so entsetzlich stinkt, dass sie nicht anders können, als ihn zu waschen, bevor sie wieder im Meer verschwinden.
Liebe Werber, weiter so… morgen geh ich ins Kino und seh mir mal die richtig langen Spots an, vielleicht findet sich da ja auch noch was. Ansonsten muss ich im Weihnachtsurlaub mal mehr fernsehen… mir ist bestimmt noch so einiges erspart geblieben.
Die große Dönerverschwörung - Kommentare deaktiviert
Ich hab’s ja immer gewusst und jetzt haben es türkische Medien in Deutschland endlich ans Licht gebracht. SPIEGEL-Online sei Dank dürfen jetzt auch wir davon erfahren: es gibt eine große Dönerverschwörung. Es war doch eigentlich von vornherein klar, dass mehr hinter dem aktuellen Gammelfleischskandal stecken musste als nur einfache Profitgier der Fleischhändler (“Gammelfleisch” wäre für mich übrigens der Top-Kandidat für das Wort des Jahres, aber das nur nebenbei). Nein, dubiose Fast-Food Konzerne, in den Medien der Einfachheit wegen – und weil sich das für eine gute Verschwörung ja so gehört – pauschal als “die” bezeichnet, gönnen dem Döner seinen Erfolg nicht und versuchen jetzt, ihn mit diesem Skandal “durch den Dreck zu ziehen”… ein schönes Bild eigentlich. “So wie letztes Jahr mit der Vogelgrippe” – hmm, das war mir damals gar nicht aufgefallen, wie der Döner durch die Vogelgrippe geschädigt wurde, das ist ja furchtbar! Wobei ich mich gerade spontan frage, wieso McDonald’s eigentlich damals bei der großen BSE-Panik nicht die Dönerhersteller hinter dieser Kampagne gesehen hat, aber gut…
Jedenfalls ist heute zum ersten Mal in mir die Überzeugung gewachsen, dass es vielleicht doch nicht soo schlimm ist, wenn sich der eine oder andere in Deutschland lebende Ausländer in die Parallelgesellschaft flüchtet… wenigstens hatte ich so mal herzlich was zu lachen.
Der Uli ist weg… - Kommentare deaktiviert
Es ist aber auch ein schwieriges Jahr für Deutschland – erst schmeisst Jürgen Klinsmann die Brocken hin, dann kündigen Delling und Netzer ihre Trennung an (oder doch nicht?) und dann hört auch noch Ulrich Wickert bei den Tagesthemen auf. Nicht auszudenken, wenn jetzt noch Horst Köhler zurücktreten würde… wie, sie wissen nicht wer das ist oder was der genau macht?
Ist auch nicht so wichtig, aber der Uli, dass der weg ist, das ist doch schon tragisch. Ich meine, das ist fast so wie damals, als Helmut Kohl als Bundeskanzler abtreten musste – und eine ganze Generation wusste doch gar nicht, dass es auch andere Leute gibt, die den Job machen können. Naja, was heisst können… darauf kam es in der Politik ja eigentlich noch nie an. Im Fernsehen eigentlich auch nicht (ich sag nur “9 live”), aber bei den Öffentlich-Rechtlichen ist das nochmal was anderes. Gut, nicht wenn’s um ne Samstagabendshow für die Vorkriegsgeneration geht (ob erster oder zweiter Weltkrieg, überlasse ich der Einschätzung meiner Leser), aber Nachrichten verbreiten darf dann eben doch nicht jeder. Und der Uli war halt irgendwie prädestiniert für Nachrichten – mit so einem Gesicht (manche sagen, er hätte das Gesicht, um Radiomoderator zu werden, aber das finde ich ziemlich hart), da merkt man gleich, es ist ernst. Ich glaube, selbst seine eigene Wahl zum Bundeskanzler hätte er seriös mit einem Zucken seiner Lippen, das ein Lächeln andeuten soll, verkünden können. Und die Betroffenheit bei den schlechten Meldungen (und nur bad news is good news) nahm man ihm irgendwie immer ab.
Jetzt geht’s also weiter für ihn mit einer Sendung über… Bücher. Irgendwie naheliegend – da kann man sich wenigstens aussuchen, worüber man liest. Nach 15 Jahren Weltnachrichten sehnt man sich vermutlich irgendwann nach einem guten Heimatroman, wo die Welt noch in Ordnung ist.
